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Bildung & Ausbildung

Neues Bildungszeitgesetz katapultiert Niedersachsen wieder an die Spitze

„Mit dem Bildungszeitgesetz schafft Niedersachsen nach über 50 Jahren erneut ein bundesweites Leuchtturmprojekt“, ist sich Dr. Lena Heidemann von der Leibniz-Universität Hannover sicher. Gemeinsam mit Falko Mohrs, dem Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, sowie zahlreichen Fachleuten und Leitungen anerkannter Bildungseinrichtungen im Land diskutierte die Bildungswissenschaftlerin den Entwurf eines neuen Bildungszeitgesetzes. Bildungsträger landauf, landab schauen mit Vorfreude und Zuversicht auf die Gesetzesreform. Zu dem Austausch hatte das DiaCampus Zentrum für Erwachsenenbildung (ZEB) eingeladen.

Der theologische Vorstand Hans-Peter Daub begrüßte zum Auftakt die Umbenennung des traditionsreichen Bildungsurlaubsgesetzes in die dann neue Bildungszeit. Damit löse der Gesetzgeber das Missverständnis auf, es handele sich bei dem Recht auf Weiterbildung um profanen Urlaub. Wenn aber ein Urlaubsgefühl sich dabei entwickele, sei dies natürlich hilfreich. „Bildungszeit ist Menschenrecht. Das hat schon 1974 die Internationale Arbeitsorganisation definiert“, so unser scheidender theologische Vorstand. „Es gibt nichts Kostbareres als Bildungsprozesse, die Menschen zum Menschen werden lassen“. 

Nachdem Niedersachsen Mitte der 1970er Jahre als erstes Bundesland das Recht auf Bildungsurlaub gesetzlich eingeführt hatte, sei es - laut Mohrs - an der Zeit, dieses Recht zu modernisieren.

In Niedersachsen gebe es seither einen breiten Bildungsbegriff. Nicht unbedingt ein konkreter Nährwert für den Beruf sei entscheidend, sondern auch ein persönliches Weiterkommen. Das neue Gesetz sei mit Arbeitnehmervertreter:innen und Arbeitgeber:innen besprochen. „Es gehört auch zur Arbeitergeber-Attraktivität“. Auch Beamte und Richter:innen des Landes hätten damit Anspruch auf Bildungszeit. Das Recht auf Erwachsenenbildung seit jetzt mehr angepasst an die Lebensrealität der Menschen, etwa auch von Teilzeitkräften oder Alleinerziehenden. Durch mehr Flexibilität sei bereits ein Tag Fortbildung anerkennungswürdig. Auch ein Aufsparen der jährlich fünf zugesicherten Fortbildungstage auf bis zu 20 Bildungszeittage über bis zu vier Jahre sei dann möglich. Neu sind zusätzlich digitale Formate, höhere Praxisanteile sowie eine Ausweitung der politischen Bildungsangebote.

Die Antrags-Fristen für Arbeitnehmer:innen würden zwar länger, aber dies bringe auch mehr Verbindlichkeit und Berechenbarkeit. „Wir glauben an die Bildungszeit“, meinte Mohrs abschließend.

Dr. Lena Heidemann, die zu Bildungszeit lehrt und forscht, meinte: „Niedersachsen steht gut da vor und nach der Reform“, sei richtungsweisend, ein Leuchtturm und Vorreiter. 45.000 Personen hätten im Jahr 2023 einen Bildungsurlaub in Anspruch genommen, zwei Drittel machen es danach wieder.  

Dr. Jörg Matzen, Vorsitzender des Niedersächsischen Landesverbandes der Heimvolkshochschulen, sagte, die Verbreiterung der Zielgruppen sei ein Stück Bildungsgerechtigkeit. Dachstiftungs-Vorstand Daub meinte kritisch zu Ein-Tages-Veranstaltungen, nach seiner Erfahrung „passieren am dritten und vierten Tag die entscheidenden Dinge.“ Und weiter: „Für uns ist das eine Chance, die die Fähigkeit zur sozialen Arbeit ganzheitlich stärkt.“   

Weil nur 1,5 bis 2 Prozent der möglichen Teilnehmenden erreicht würden, will Mohrs mit einer Kommunikationskampagne mehr Menschen über das Angebot informieren. Zeitlich legte sich der Minister im Festsaal des ZEB fest: Das neue Gesetz solle spätestens im September im Landtag beschlossen werden und noch im laufenden Jahr in Kraft treten.     

Matzen bedauerte, dass das flankierende Erwachsenenbildungsgesetz nicht mehr in dieser Landtagsperiode politisch angefasst werde. Wenigstens müssten vor der Landtagswahl im Herbst 2027 einige Pflöcke eingeschlagen werden. Nur 0,63 Prozent des gesamten Bildungsetat des Landes gingen in die Erwachsenenbildung. „Wir verlieren jedes Jahr Geld. Die Situation für Erwachsenbildungs-Einrichtungen ist prekär“.

Zu der Idee von DiaCampus-Geschäftsführerin Myriam Hartwig von verschenkbaren Bildungszeitgutscheinen sagte Heidemann unter dem Gesichtspunkt Verbindlichkeit: „Das könnte man sehr wohl weiterdenken.“ Hartwig hatte bereits zum Auftakt Inga Kugler und Daniel Cord als neues Leitungs-Team des ZEB vorgestellt. Die beiden haben Podium und Diskussion gekonnt moderiert. 

Person in Anzug und Krawatte spricht ins Mikrofon, gestikulierend, während sie in einem Panel/Interview sitzt.

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